{"id":311,"date":"2012-04-10T18:57:00","date_gmt":"2012-04-10T18:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kekex.de\/blog\/?p=311"},"modified":"2012-04-10T18:57:00","modified_gmt":"2012-04-10T18:57:00","slug":"311","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kekex.de\/blog\/2012\/04\/311\/","title":{"rendered":"Auf Fahrt in der Auvergne &#8211; 5. Tag"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Fahrtenberichtabschnitt wurde von Balli geschrieben.<\/em><\/p>\n<p><strong>10. April 2012, Dienstag<\/strong><\/p>\n<p>Irgendwann in der Nacht rieselte es keine Tannennadeln mehr auf die Kohtenbahnen, sondern kalte, aber \u00e4hnlich klingende Tropfen. Der zweite Teil des Tiefdruck-Ostergebiets war angekommen. Also weiterschlafen. Zur gewohnten Zeit (ca. 12 Uhr) Mittags-M\u00fcsli mit der cremigen Bergbauernmilch, abgekocht und abgehangen. Als der Wind schlie\u00dflich eine blaue L\u00fccke in die Schauerwolken gerissen hatte, rissen wir uns am Riemen, lie\u00dfen die Kohtenbahnen trockendampfen und \u2013wehen und liefen links am See entlang dem braunen Hang hinauf, zusammen mit dem letzten Sonnenschimmer.<br \/>\nDer Wind heulte zunehmend w\u00fctender in den Tannen, an die wir uns dr\u00fcckten, weiter bergan. Es wurde alpin, genauer: massiv (central). Nun wehte der Sturm Hagel-, Regen- und Graupelschauer waagrecht \u00fcber die Alm. Im Schutz der Tannen (noch) ein beeindruckendes Schauspiel. Doch bald wurden wir Teil der Show. Der GR bog jetzt rechts nach oben ab. Steil, direkt in den Westwind und krater-steil. Selbst Jens zog es nun vor, die waagrechte, eiskalte Dauer-Dusche mit einem Poncho zu nehmen. Seine Brille h\u00e4tte Scheibenwischer gut gebrauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><center> <a href=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/auvergne25.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/sml_auvergne25.jpg\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/auvergne26.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/sml_auvergne26.jpg\" \/><\/a> <\/center><\/p>\n<p>Auf dem Grat waren die B\u00f6en so laut, dass nur das Knallen der flatternden Ponchos sie \u00fcbert\u00f6nte. Jeder nicht abgedeckter K\u00f6rperteil gefror, und der Regen spr\u00fchte von unten und von vorn in jede Ritze. Kurze Pause vor dem Winddruck bot ein letztes niedriges Kiefernw\u00e4ldchen. Die Ponchokaputzenvisiere klappten kurz hoch: vor uns leuchtete das erste Schneefeld.<\/p>\n<p><center> <a href=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/auvergne27.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/sml_auvergne27.jpg\" \/><\/a> <\/center><\/p>\n<p>Dann hatte uns das Heulen wieder, der Matsch des steil nach oben traversierenden Trampelpfads, von oben wehen Wolkenfetzen mit Schnee \u00fcber den Kamm, der Winddruck noch mal verdoppelt, sodass wir mit den Ponchos anfangen, Schachpferd zu werden: zwei Schritt vor, eins zur Seite. Hier oben auf 1400 m herrscht heute K\u00f6nigsturm.<\/p>\n<p><center> <a href=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/auvergne28.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/sml_auvergne28.jpg\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/auvergne29.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.kekex.de\/oldblog\/pics\/sml_auvergne29.jpg\" \/><\/a> <\/center><\/p>\n<p>Mehr Schneefelder. Immerhin schaffen es Daniel und ich noch, trotz steifer Finder Nick mit zwei Schneeb\u00e4llen zu empfangen, als er geduckt um die Ecke kommt. Der Pass ist erlaufen. Der Wind durch nichts mehr aufgehalten, weht uns nach links und rechts davon, trocknet immerhin trotz Regen die angeklebten Hosen. Wir steigen in Richtung Mont-Dore ab. Das vor uns liegende Massiv (1800m) ist vollst\u00e4ndig von Wolken verschluckt. Jeder Meter runter z\u00e4hlt, um dem Wind zu entkommen. Kurz vor dem ersten Wald dann eine bizarre Begegnung: Eine franz\u00f6sische Schulklasse in Turnschuhen kommt uns entgegen, wir spekulieren \u00fcber m\u00f6gliche Headlines in der Lokalzeitung von morgen\u2026<\/p>\n<p>Kalte Ersch\u00f6pfungsrast am n\u00e4chsten Pass, die H\u00fctte zu. Der Himmel wird noch dunkler. Wir scherzen, dass das dann wohl das von Jens angek\u00fcndigte lokale Gewitter sein m\u00fcsste. Als Antwort donnert es. Schnell weiter, an der n\u00e4chsten Seeseite steht ein Haus mit zwei Autos davor. Ein Gasthaus, offen, mit hei\u00dfem Kaffee &#038; Kakao. N\u00f6tig.<br \/>\nDrau\u00dfen graupelt es den Abend ein, und wir sehen dem Au\u00dfenthermometer des Gasthofs beim Fallen zu. Bei 4 Grad, einem nahen Donner und im Eisregen patschen wir die Stra\u00dfe nach Mont-Dore runter. Schnell weg hier. Doch die Temperatur sinkt so schnell wie wir absteigen, und als wir schlie\u00dflich frierend in Mont-Dore einlaufen, nass und gefroren von Kopf bis in den Wanderschuh hinein, sind wir nicht sehr gl\u00fccklich \u00fcber die Ausk\u00fcnfte der SNCF-Beamtin: Nein, es f\u00fchre kein Zug mehr in warme unten. Nein, sie kann uns nicht in der lauwarmen Schalterhalle schlafen lassen. Nein, sie kann uns keine Tickets mehr f\u00fcr den Zug am n\u00e4chsten Morgen um 6 Uhr verkaufen, das ist erst wieder um 5.45 Uhr m\u00f6glich. Doch, die Halle schlie\u00dft jetzt. Mont-Dore, D\u00e4mmerung, 2 Grad, kalter Dauerregen. Wir sind bei unserer  Restaurant-Wahl nicht mehr sehr w\u00e4hlerisch, die Wahl ist dennoch gut. Unsere Kneipe hat Platz f\u00fcr 6 nasse Rucks\u00e4cke, uns sechs nasse S\u00e4cke, zwei Elektroheizungen, ein Klo und gro\u00dfe Pfannen mit geschmolzenem K\u00e4se-Gratin + 2 Pichets Hauswein. Langsam tauen die meisten Teile von uns wieder auf, nur Mareikes F\u00fc\u00dfe weigern sich. Daher kehrt die Schnupfen-Fraktion nach dem Mahl (wieder zitternd) zum Bahnhof zur\u00fcck, w\u00e4hrend Z\u00e4zi, Jens und Nick sich noch einen Pastis in der Hotel-Bar genehmigen. Am Bahnhof gehen gerade die Neonleuchten aus, als wir uns \u00fcber den Zaun werfen und das Transport-Vordach des G\u00fcterbahnhofs entern. Kohtenbahn auf Betonboden, F\u00fc\u00dfe mit Fieber auftauen, Tropfen auf Vordach z\u00e4hlen. Harte Nacht nach hartem Tag beginnt\u2026<\/p>\n<p>PS: Noch schwerer als der \u00dcbergang von Tannennadeln zu Graupel kann man \u00fcbrigens den \u00dcbergang von Regen zu Schnee erh\u00f6ren. Es wird einfach still \u2013 und kalt\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Fahrtenberichtabschnitt wurde von Balli geschrieben. 10. April 2012, Dienstag Irgendwann in der Nacht rieselte es keine Tannennadeln mehr auf die Kohtenbahnen, sondern kalte, aber \u00e4hnlich klingende Tropfen. Der zweite Teil des Tiefdruck-Ostergebiets war angekommen. Also weiterschlafen. Zur gewohnten Zeit (ca. 12 Uhr) Mittags-M\u00fcsli mit der cremigen Bergbauernmilch, abgekocht und abgehangen. Als der Wind schlie\u00dflich &hellip; <a href=\"https:\/\/kekex.de\/blog\/2012\/04\/311\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Auf Fahrt in der Auvergne &#8211; 5. 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