{"id":464,"date":"2018-05-12T18:33:00","date_gmt":"2018-05-12T18:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kekex.de\/blog\/?p=464"},"modified":"2018-05-12T18:33:00","modified_gmt":"2018-05-12T18:33:00","slug":"464","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kekex.de\/blog\/2018\/05\/464\/","title":{"rendered":"Dorf zwischen Reisterassen &#8211; Tian Tou Zhai Village"},"content":{"rendered":"<p>Unser Ziel: die Reisterassen bei Longsheng. Es gibt in der Gegend mehrere\u00a0 T\u00e4ler, in denen Minderheiten leben, die seit mehreren hundert Jahren (eine Quelle sagte seit der Ming Dynastie) Reis in Terassen, die sich gesamte Berge hochziehen, anbauen.<\/p>\n<p>Mit dem Zug waren wir wiederum nach Guilin gefahren, um dort mit viel zuviel Zeit im Gep\u00e4ck noch ein wenig durch die Stadt zu stromern. Es gibt dort den Elefantenfelsen. Nat\u00fcrlich in einem Park, f\u00fcr den man nochmal dicke Eintritt zahlen muss und um das Gesch\u00e4ft zu verbessern, die kostenlosen Ausgucke hat zuwachsen lassen. Wir haben uns mit dem bischen durch die B\u00e4ume gucken zufrieden gegeben und den vollen Felsanblick auf den \u00fcberall h\u00e4ngenden Plakaten genossen.<\/p>\n<p>Wir waren mit den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln da hingefahren. Also mit Bussen, f\u00fcr die man je Fahrt und Nase einfach 2 Yuan in ne Kiste schmei\u00dft. Da wir nur nen 10 Yuan Schein als kleinstes hatten, wollten wir fragen, ob man uns wechseln kann. So komplett sind wir noch nie ignoriert worden. Der Busfahrer hatte wohl keine Lust, sich mit uns abzugeben. Wir sind also ohne zu bezahlen eingestiegen, das hat ihn auch nicht gest\u00f6rt. Als wir aber weiter zum Busbahnhof wollten, war es etwas kompliziert. Der Bus, den wir nehmen wollten, kam n\u00e4mlich nicht! Und sowas wie Zeitpl\u00e4ne gibt es nicht an den Bushaltestellen. Es steht zwar da, welcher Bus hier f\u00e4hrt, aber wenn Zeiten genannt werden oder Zeitabst\u00e4nde, wann einer f\u00e4hrt&#8230; wir haben es nicht herausfinden k\u00f6nnen! Also: nehmen wir doch einfach ein Taxi! Es kam nur keins. Nur besetzte. Und die Zeit wurde knapp. Also ein Didi! Das kam auch, hielt aber auf der anderen Stra\u00dfenseite. Die Stra\u00dfe war durch ein Gatter in der Mitte f\u00fcrs \u00fcberqueren gesperrt, \u00dcberg\u00e4nge links und rechts jeweils ein ganzes St\u00fcck weg. Die Didi-App sagte nur &#8222;Your driver is waiting&#8220;. Jo, wir auch, nur auf der anderen Seite \ud83d\ude42 Der Didi-Fahrer setzte schlie\u00dflich dazu an weiterzufahren, wohl um mit U-Turn zu uns zu kommen, das ging aber verkehrstechnisch eine ganze Weile nicht und schlie\u00dflich sagte der Fahrer unsere Fahrt wieder ab. Wir also weiter ohne Bus, Taxi oder Didi. Aber irgendwann kam doch ein Taxi und brachte uns zum Busbahnhof, wir fanden durch Nachfragen den richtigen Bus und waren gerettet &#8211; ab nach Dazhai!<\/p>\n<p>Dazhai ist ein Ort in einem der Reist\u00e4ler. Weiter fahren die Busse nicht in dieses Tal hinein. Nach 2,5h Fahrt schnappten wir uns also unser gesamtes Gep\u00e4ck, woraufhin uns Frauen bequatschen wollten, sie unser Gep\u00e4ck tragen zu lassen. Sie haben oft traditionelle Kleidung an und Holzk\u00f6rbe auf dem R\u00fccken. Aber wozu haben wir Wanderrucks\u00e4cke, wir wollten wandern (und au\u00dferdem daf\u00fcr kein Geld ausgeben \ud83d\ude09 ). Felix hatte ein Hostel recht weit oben an der Spitze der Reisfelder im Dorf Thai Tou Zhai gebucht. Von denen hatten wir also mittels WeChat eine Wegbeschreibung bekommen, bestehend komplett aus Bildern. Markante Kreuzungen oder Wegpunkte waren jeweils mit Pfeilen markiert, wo man hinzugehen hatte.<\/p>\n<p>Durch das Dorf Dazhai hindurch, eine Oma (das soll nicht abwertend klingen, wir haben in unserer Zeit da oben alle alten Damen in traditionellen Gew\u00e4ndern so genannt) auf auf den Fersen, die uns unbedingt mit zu sich nehmen wollte, damit wir bei ihr essen. Vmtl um H\u00fchnchen im Bambusrohr serviert zu bekommen, ein anscheinend typisches Gericht f\u00fcr da oben, aber auch mit Abstand das teuerste &#8211; na klar! Wir wollten aber erstmal zu unserm Hostel, die Dame lie\u00df noch recht lange nicht locker. Aus dem Dorf hinaus ging es \u00fcber die hier \u00fcberall vorhandenen Steinstufen und Wege. Direkt oberhalb Dazhais beginnen die Reisterassen. Nat\u00fcrlich ging es vorallem bergauf, aber insgesamt durch sch\u00f6ne Landschaften. Mal auch \u00fcber eine Baustelle, wo \u00fcber einen Flaschenzug gerade Material aus dem Tal angeliefert wurde, mal vorbei an Arbeitern auf den Feldern, die haupts\u00e4chlich damit besch\u00e4ftigt waren, ihre Terassenfelder umzupfl\u00fcgen.<\/p>\n<p>Zu dieser Jahreszeit werden die Felder vorbereitet, manche sind schon geflutet (durch ein extra angelegtes Kanalisationssystem von oben nach unten), viele noch nicht. Mal wird in den\u00a0gefluteten Terasse umgegraben, mal in den noch trockenen. Mal mit einer kleinen Maschine, die aber trotzdem noch viel K\u00f6rperkraft erfordert, mal nur mit einer Hacke. Dabei werden auch die Terassenr\u00e4nder mit vorbereitet, von Bewuchs befreit, in Form gebracht und gegl\u00e4ttet. Ist mal der Reis gepflanzt, sind diese R\u00e4nder die Wege zum vorw\u00e4rtskommen (zwischen den Feldern, ansonsten weiterhin die Steintreppen). F\u00fcr Gro\u00dftransporte gibt es die Flaschenz\u00fcge (ab und zu), Pferde und nach Thai Tou Zhai auch eine echte Dirtroad. Also eine, die ohne Jeep nicht befahrbar ist. Auf dieser Stra\u00dfe muss man das Wort Schlagloch nicht verwenden, man braucht eher ein Wort f\u00fcr seltene Abschnitte grader Oberfl\u00e4che &#8211; die waren n\u00e4mlich kaum vorhanden!<\/p>\n<p>Im Dorf angekommen mussten wir trotz Wegbeschreibung sehr genau hinschauen. Tian Tou Zhai liegt sehr h\u00fcgelig mit engen Steingassen zwischen den H\u00e4usern. Man wei\u00df aber nicht immer, wohin manche Wege jetzt f\u00fchren! Geht es nun in einen Hinterhof, ist dass quasi die Zufahrt? Mal f\u00fchrte ein Weg \u00fcber Hauseing\u00e4nge weiter\u00a0 raus auf andere Wege, mal f\u00fchrte ein Weg tats\u00e4chlich in einen Hinterhof zu den Schweinen. \u00dcberall waren immer mal wieder Wachhunde, in der Regel aber ohne Leine und voll verpennt.<\/p>\n<p>Unser Hostel war ein dreist\u00f6ckiges Haus (also 2 Obergeschosse) mit einem einladenden Hof, fast ein wenig Bauernhof-like &#8211; vermutlich war oder ist es genau das! Im Hof wurde man direkt von kleinen Pelzkn\u00e4ulen begr\u00fc\u00dft: die Hundewelpen Xinxin (&#8222;Herz-Herz&#8220;) und Heihei (&#8222;Schwarz-schwarz&#8220;). Xinxin ist ein wei\u00dfes Wuschelwesen, das immer nur jault, wenn Heihei, der spielwillige Schwarze, ihn wieder versucht umzuwerfen oder ihn in die Ecke gedr\u00e4ngt hat. Das Umwerfen kann Xinxin aber am besten selber: er muss dazu nur den einzigen Bordstein im Hof runterspringen, er ist dabei noch jedesmal, wenn ich ihn gesehen habe auf die Seite gefallen. Ein gro\u00dfer wuscheliger Tollpatsch! Das Hostel selbst war ganz aus Holz, die Zimmer dementsprechend luftig (jetzt voll ok, im Winter muss das ganz sch\u00f6n kalt sein!), die Zimmer mit gut altem Teppich (der 10cm hohe Falten schl\u00e4gt) ausgelegt (weniger sch\u00f6n) und wir mit dem vermutlich einzigen Westler-Klo das nicht gerade gro\u00dfe Los gezogen. Einmal das Klo benutzt und das Bad stank nach Kloake. Zudem lief das Abwasser vom Waschbecken gleicherma\u00dfen runter in die Rohre wie raus ins Badezimmer. Nach einer Nacht baten wir um ein chinesisches Klozimmer, eine Wohltat! Die Dusche dazu war mal wieder im gleichen Raum, ohne Abtrennung, der Duschabfluss ist das Loch vom Klo, das Warmwasser wird mit der Gasflasche, die nebenan steht erw\u00e4rmt. O-Ton Felix: &#8222;Die beste Dusche bisher im Urlaub!&#8220; &#8211; nein, nicht ironisch gemeint!<\/p>\n<p>Der erste Abend war noch sch\u00f6n, wir bestellten unser Abendessen drau\u00dfen im Hof. Etwas frisch war es auch, Pelzkn\u00e4ul Nummer 3, die wei\u00dfe, alte Katze umstrich unsere F\u00fc\u00dfe und maunzte ohne Ende, Pelzkn\u00e4ul Nummer 4, die junge, sowas von s\u00fc\u00dfe, putzige getigerte Katze maunzte nur kurz und sprang einfach schlie\u00dflich auf meinen Schoss, wo sie gem\u00fctlich wegpoffte. War ja sch\u00f6n warm bei mir \ud83d\ude42 Lies sich auch umhertragen, als ich mir anschaute, wie unsere Gastgeber unseren bestellten &#8222;Reis im Bambusrohr&#8220; in der Au\u00dfenfeuerstelle bruzelten.<\/p>\n<p>Noch bevor unser Essen kam, fing es aber auch schon an zu regnen, leider leider eine Weissagung der n\u00e4chsten Tage. Am n\u00e4chsten Morgen (nach \u00fcberstandener Gestank-Nacht) wechselten wir das Zimmer und verbrachten den Morgen gem\u00fctlich mit sp\u00e4tem Fr\u00fchst\u00fcck (fried noodles!). Nachdem der Regen sich manchmal weniger stark war, schnappten wir schlie\u00dflich Regenjacken und Schirm (ja, nur einer) und machten uns auf zu den drei recht direkt umliegenden Aussichtspunkten. Zumindest war das der Plan. Ein Gl\u00fcck gibt es immer wieder \u00fcberdachte Stellen. Mal geh\u00f6ren sie zu H\u00e4usern\/Hostels, mal sind es Aussichtsplattformen. Wir haben jede von ihnen ausreichend lange genutzt. Aber hej, wir haben ja Urlaub und Zeit. Am Ende haben wir den vollen Nachmittag mit der &#8222;Wanderung&#8220; zum ersten Aussichtspunkt (yi hao = Nummer 1) verbracht, ein echtes stop-and-go. Zum Schluss standen wir ganz oben, auf einer Aussichtsplattform, die aus, wie k\u00f6nnte es auch anders sein, drei verschachtelten Aussichtsplattformterassen (Teekesselchen!!!) besteht, wir haben mal gesch\u00e4tzt mit Platz f\u00fcr ca. 400 Leute. Der Regen hatte (kurz) aufgeh\u00f6rt und wir standen zu zweit (!) ganz alleine da oben, nice! \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Zur\u00fcck dann wieder mit stop-and-go und schlie\u00dflich wieder superleckeres Abendessen im Hostel. Unsere Gastgeber: zwei Frauen managen das ganze, zwei weitere Frauen plus hin und wieder &#8222;der Vater&#8220; teilen sich das kochen. Und nat\u00fcrlich Fellkn\u00e4uel 1-4!<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Tag startete wieder mit etwas Regen&#8230; was auch sonst. Es war insgesamt aber leichterer Regen, also starteten wir unsere Wanderung Richtung Ping An, einem weiteren Dorf mit Reisterassen, das bei vielen bekannter ist, da es direkt von der Hauptstra\u00dfe aus erreichbar ist. Zuerst ging immer an den H\u00f6henlinien der Reisterassen entlang. Dann etwas Aufstieg mit kleinem Rastplatz, wo uns nat\u00fcrlich wieder eine Oma erwartete, die uns f\u00fcr ein Mittagessen in ihrem Dorf verpflichten wollte und auch Wasser aus ihrem Tragekorb verkaufte. Ein nein wollte auch sie nur sehr schwer akzeptieren. Aber lustig allemal.<\/p>\n<p>Es regnete zwischendrin immer mal wieder. Aber nur superkurze Regenphasen. Zwar soviel Regen, dass wir uns unter Felix Schirm unterstellen mussten, um nicht super nass zu werden, aber doch so kurz, dass man eigentlich nie mehr als eine Minute da stand. Daf\u00fcr gab es doch recht viele solcher Minuten!<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter kurz vor dem Zwischendorf Zhong Liu ging der Weg nur sehr abenteuerlich weiter. Anscheinend wurde er zugunsten eines Stra\u00dfenbaus wegoptimiert, da die Standardwanderroute dort aber langf\u00fchrt, einfach mit ein paar Steinen im Lehmboden ausgeholfen, zur Seite vertikaler Wegfall jeglichen Halts. Auf dem Hinweg sind wir \u00fcber den Abenteuerweg, auf dem R\u00fcckweg einfach \u00fcber den Neubau der Stra\u00dfe (und ihren tiefen Schlamm&#8230; seufz, voll reingedappt). Das Dorf hat noch seinen alten Teil, man sieht aber ins Tal hinein sehr gut, wo ein neues Haus nach dem n\u00e4chsten gebaut wird und leider leider sieht man auch den Fortschritt in Hinsicht dieser neuen Stra\u00dfen. Sie wurde viel zu oft massiv in den Berg geschnitten. Teilweise wurden daf\u00fcr auch einfach Reisterassen weggeschnitten, man kann die Berge hinaufschauend die Stra\u00dfe immer verfolgen, in dem man die abgeschnittenen roten Stellen am Berg verfolgt. Aber gut, woanders f\u00e4llt es nur schon nicht mehr auf, weil alles \u00fcberwachsen ist. Schade ist es trotzdem irgendwie. Vom Tal aus stiegen wir nochmal den n\u00e4chsten Berg auf und wurden, wer kann es erraten (?) an der Spitze auch gleich von einer Oma empfangen. Die wollte einfach nicht locker lassen. Setzte sich auch zu uns, als wir dann Kekse auspackten und nahm auch von den Chips, die ich ihr anbot. Unsere Rettung waren dann zwei weitere Ausl\u00e4nder, die aus Ping An kommenden den zu uns umgekehrten Weg wanderten. Denen heftete sich die Oma direkt an die Fersen und verfolgte sie den gesamten Weg zur\u00fcck ins Dorf \ud83d\ude00 nach ausgiebiger Pause traten wir auch den R\u00fcckweg an. F\u00fcr den gesamten Weg nach Ping An h\u00e4tte man schon im fr\u00fchen Morgenregen loslaufen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr war dann noch der n\u00e4chste nicht besuchte Aussichtspunkt vom Vortag, die Nummer 2 dran. Mit chinesischen Touristen hatten wir dann noch Spa\u00df, da sie uns entgegenriefen &#8222;Yi hao&#8220; (&#8222;Nummer 1&#8220;), um zu fragen, ob sie auf dem richtige Weg zum Aussichtspunkt Nummer 1 sind und wir aber nur &#8222;Ni hao&#8220; (&#8222;Hallo&#8220;) verstanden und entsprechend antworteten, bis wir den Irrtum bemerkten. Die haben sich schlapp gelacht. Lauthals nat\u00fcrlich und so dass wir es mitbekommen, so sind se halt \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Ziel: die Reisterassen bei Longsheng. Es gibt in der Gegend mehrere\u00a0 T\u00e4ler, in denen Minderheiten leben, die seit mehreren hundert Jahren (eine Quelle sagte seit der Ming Dynastie) Reis in Terassen, die sich gesamte Berge hochziehen, anbauen. 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