Traditionelles Waffelessen

Als Pfadfinder macht man häufiger sein Essen über dem Feuer. Hierbei kann man fast alles machen, was man so kennt! Was aber über dem Feuer genauso schwierig ist, wie mit einem normalen Herd, sind Waffeln.

Doch auch für das Feuer gibt es entsprechende Werkzeug: ein gußeisernes Waffeleisen! Nachdem Hanna sich vor Jahren schon so ein gutes Stück geleistet hatte und wir es damals zum ersten Mal an unserer Pfadihütte getestet, voll verbrannt, umgedreht – ausgebrannt, neu getestet, … neu getestet… legga Waffeln gegessen (!)… ist Hanna nun Experte im Feuerwaffelieren 🙂

    

Für den Freitag-Abend hatte sie uns also zur Hütte eingeladen und uns rundum mit Waffeln und Tschai versorgt. Musik gab es von der Gitarre, Gesang aus vielerlei Mündern. Schön wars, danke Hanna!

 

Erste Plätzchen – erste Arztbesuche!

Die letzten Jahre sind wir nicht so wirklich zum Plätzchen backen gekommen. Dieses Jahr sollte es also mal wieder soweit sein. Die guten alten Rezepte aus Mutters handgeschriebenen Rezeptbuch (der kopierten Variante): Kokosmakronen, Spitzbuben und Spritzgebäck – so der Plan.

Die Kokosmakronen waren schnell in der Mache, nur war letzlich doch der Ofen etwas heiß, manch einer lobt sie daher als „sehr knusprig“!

Bei den Spitzbuben durften wir feststellen, dass wir beim Ausmisten nie genutzter Küchensachen mit einigen „noch nie“ oder „fast nie“ genutzten Sachen wohl auch die passenden Ausstecherformen zur Diakonie gegangen sind… ups. Aber „German engineering“ und so, der Deckel eines Gläschen des Joghurt-Mach-Geräts (das die Ausmistaktion überstanden hat, aber laut den Auswahlkriterien eigentlich nicht mehr hätte da sein dürfen), der Deckel eines kleinen Schnapsfläschchens (woher das wohl kam) und ein Schnapsglas dienten fortan als runde Förmchen und die Spitzbuben waren gerettet.

Doch dann kam die nächste Schwierigkeit: das Spritzgebäck. An sich nicht schwer, aber wenn man keine Spritztüte mit mechanischer Unterstützung hat, kann das herausdrücken eines einzigen Spritzgebäcks mit unserer metallenen Spritztüte gut und gerne mal 20sec dauern. Unter voller Kraftanwendung! Verschiedenste Positionen wurden ausprobiert, die Spritzpistole schließlich auch gegen das Brustbein gedrückt, um mit beiden Händen voll ziehen zu können. Bei mir ging das gut, Felix setzte etwas seitlicher an… mit Verdacht auf Rippenbruch ging es am Mittwoch dann zum Arzt!

Was der Arzt wohl gesagt hat, als er hörte, wie das passiert ist? „Also, wir haben eigentlich nur Plätzchen gebacken…“ 😀

Weihnachtsmarkt im herbstlichen Kleid

Nachdem im Baumarkt die Weihnachtssaison schon früh im Oktober beginnt (die haben wohl soviel Dekokrams, das ein späteres umdekorieren zu einem verspäteten Adventsstart führen würde), hat nun auch der Karlsruher Weihnachtsmarkt wieder eröffnet. Mich großem „Hoho“ vom Balanceakt des Weihnachtsmanns, wie nun schon die letzten Jahre auch. Leider ohne mich, aber dafür hat er ja noch länger auf.

In traditioneller Jööööh Unichor-Besetzung, gab es den ersten Glühwein:

    

Man beachte den goldgelben Herbstbaum im Hintergrund 😀 Aber hej, einmal gediegen Weihnachtsmarkt ohne kalte Füße? Like!

Zurueck…

… im Land, wo es Trinkwasser aus der Leitung, Brezeln beim Bäcker, kühle und saubere Luft und herunterhängende Gurte bei der Gepäckaufbewahrung im Zug gibt (*).

Ja, das sind so die Dinge, die mir zuerst aufgefallen sind. Wir freuen uns tierisch wieder auf deutsches Essen (was nicht heißt, dass asiatisches in irgendeiner Weise schlecht wäre!), auch wenn wir zum Schluss in Nanjing doch einiges von dem guten Essen bei Jule und David abgegriffen haben. Heute früh sind wir gelandet, nach etwas Verspätung, nicht funktionierendem Entertainment System, dass mich eigentlich bis zur deutschen Schlafenszeit wach halten sollte, Platzwechsel mit Standby-Ticket-Holdern, Film, nächtliches Abendessen und schließlich fast 6h Schlaf und Frühstück. Jetzt geht es aber nicht etwa „endlich heim“. Nein, es geht erstmal weiter, man kann zwar nicht auf allen Hochzeiten tanzen (es gab eine Paralleleinladung), aber doch auf einer 😉

Ein paar Blogeinträge und Fotos werden noch nachgereicht, schließlich ist das ja doch sowas wie mein eigenes Reisetagebuch und eine schöne Erinnerung!

(*) In den chinesischen Zügen gehen die Zugbegleiter noch durch und verstauen auch noch jeden letzten Gurt, der von einem Rucksack in der Gepäckablage runterhängt mit einer Engelsgeduld und Sorgsamkeit. Sie hängen nicht im Weg oder so, aber es ist einfach wohl die Vorgabe.

Chang2 Jiang1 – Shennong Stream

Day 3

Wir müssen wohl in der Nacht angelegt haben – wir haben nichts mitbekommen, aber welcome to Badong! Wir parken direkt vor einer Seite der neuen Stadt Badong, direkt daneben eine riesige Brücke und die zweite Hälfte der Stadt auf der anderen Seite.

Nach dem Frühstück geht es auf einen kleineren Ausflugsdampfer, das heutige Ziel: ein Abzweig von den Hauptschluchten: die Shennong Schlucht. Alle Gäste gehen zusammen auf ein Boot. Dieses hat zwei Etagen mit Glasfenstern und ein offenes Sonnendeck. Wir haben diesmal einen eigenen Guide nur für uns, der Rest vom Schiff bekommt seine Ansagen via Bord-Lautsprecher, wir direkt mündlich. Eigentlich ganz cool so, unsere Guide Becky (die geben sich gerne englische Namen, um es uns leichter zu machen) kann uns interessante Dinge on the way viel besser zeigen (mit dem Finger :-)) und wir können unsere Fragen ganz direkt stellen.

Interessante Punkte: ein Felsen, der wie Elefant aussieht (man sieht hier überall Elefanten – find ich toll) und „hanging coffins“ (also hängende Särge). 3 Stück sehen wir insgesamt auf der Tour, diese sind anscheinend um die 2000 Jahre alt. Nach dem Glauben je höher desto besser wurde diese Särge in Felsspalten auf 2/3 Höhe (vor der Staumauer natürlich höher) eingeklemmt. Mal durch Ausnutzung der Felsstruktur, mal hat man Holzpfäle horizontal eingeklemmt und den Sarg darauf platziert. So richtig gut ran kommt man an dieses nicht, außer vermutlich durch Abseilen von oben. Ob die das aber damals schon so konnten… An anderer Stelle sehen wir einen Felsen dessen unterer Teil wohl mal 7 solcher Särge enthielt. Die wurden aber entfernt und in Museen gebracht, bevor die Flut kam.

Zurück auf dem Schiff legt das Boot recht schnell wieder ab und während wir die Wu Schlucht durchfahren erzählt Bobo, unser Riverguide, dazu interessantes, immer im Wechsel Chinesisch – Englisch. Ich frage mich so langsam, was die eigentlich gemacht hätten, wenn wir kein Englisch gesprochen hätten! Davon geht man hier scheinbar iiiimmer aus bei ausländische Touristen.

Mittagessen: Burgerbaukasten! Brötchen, Salat, Zwiebeln, Tomatenscheiben, Gurkenscheiben und Käse, dazu allerlei Soßen, alles schön nebeneinander am Buffet drapiert. Aber: alle Brötchen sind noch da, ich bin die einzige, die den Burgerbaukasten zu diesem Zweck auch nutzt, der Rest der Gäste macht sich aus den Zutaten (ohne Brötchen) einen Salat! Da die ersten (mal wieder) schon gehen, sehen sie meinen gebauten Burger mit den Pommes daneben und sind völlig aus dem Häuschen, weil sie jetzt erst kapieren, worum es da ging.

Nach dem Mittagessen, wo wir uns schon vollgestopft haben, gab es dann noch die Welcome Reception mit Ansprache durch den Kapitän (übersetzt für uns durch Bobo). Sprich alle ab in die Plüschsessel im Yangtze Club auf Deck 5. Meine Lieblingsdame (chinesischer Gast, die sich so gerne mit mir fotografiert, wenn sie mich erwischt) hat uns zu ihr und ihren Freundinnen an den Tisch dazu gebeten. Wir stoßen alle zusammen begeistert mit „ganbei“ an und unterhalten uns via Handy-Translater über ihre Diabetes und dass wir zu wenig essen (meint sie 😉 ).

Es folgt eine Fahrt durch die Qutang Schlucht, die letzte der drei Schluchten. Lustigerweise wiederholt Bobo auch immer wieder Satzteile. Dass das eine Flusstück jetzt weiter aufwärts vergleichsweise zu den restlichen Schluchten eher „narrow“ ist, hören wir dreimal hintereinander.

Das Abendessen-Buffet ist wiederum ein anderes, aber wieder richtig lecker, mit Mousse-Kuchen zum Nachtisch, den muss ich unbedingt mal selber machen! Danach geht es wieder ab in den Club auf Deck 5, heute gibt es eine Kabaret Show. Im Endeffekt wieder Aufführungen in traditionellen (aktuellen?) Kostümen. Mal als Gruppentanz, mal Einzel- oder Paartanz, mal eine leicht schiefe Band (ich war kurz Sterne gucken), mal eine Solistin. Insgesamt ganz nett, nicht für alle megainteressant, neben mir wird fleißig irgendein Spiel gezockt am Handy, natürlich voll mit Ton 🙂

San1 Xia2 Da4 Ba4 – der Tag des Drei-Schluchten-Staudamms

Day 2 Drei-Schluchten-Staudamms (mehr zu dieser anzweifelbaren deutschen Namensgebung später)

Laut unserem Programm gab es heute Frühstück von 7-8 Uhr. Wir gehen also nicht zu spät um 7:15 Uhr in den Essenssaal. Dabei kommen uns bereits erste Gäste entgegen, die schon fertig mit dem Frühstück sind! Tatsächlich dann um 7:30 Uhr sind bereits 3/4 aller Leute fertig und schon weg und die eine Hälfte vom Buffet wird gleich mal abgeräumt. Um 7:45 Uhr sind schließlich nur noch 2 Tische übrig von 20 (wir sind der eine Tisch, der andere muss noch die Enkelin füttern – zu dritt natürlich: Opa hält das Kind, Oma versucht zu füttern, Mama hält das Handy auf dem ein Cartoon läuft, um das Kind abzulenken…). Um 7:50 Uhr rufen die Tourguides dann schon „panisch“ nach noch fehlenden Zimmernummern aus, die für die optionale Tour am Vormittag angemeldet sind. Draußen stehen schon diejenigen, die an der Tour teilnehmen. es regnet auch bereits, aber eine Regenjacke hat eigentlich niemand.

Generell werden auf der 5-tägigen Bootsfahrt vier verschiedene optionale Touren zusätzlich zu den Inklusive-Touren angeboten. Mein Fuss hat uns Schiffsruhe für den Vormittag verordnet (gerade laufen ging gestern nicht, also bin ich nur auf der Außenkante oder nur auf dem Vorderballen vom linken Fuß gelaufen, diverse Bänder und Muskeln haben sich daraufhin abends lautstark beschwert – etwas suboptimal).

Zum Mittagessen gab es wieder Buffet, ganz lecker. Dazu gibt es mit free refill lauwarme Cola und Sprite. Wir sind wieder 15min später gekommen, da war unser Tisch (runder Tisch für 10 Personen) tatsächlich noch voll (also alle da außer wir). Wir holen uns also Essen, zurück am Tisch sind auf einmal nur noch 4 weitere Leute, der Rest ist schon gegangen. Die übrigen vier sind aber alle happy uns zu sehen und freuen sich ganz doll wie toll wir mit den Kuaize essen können! Ja, Stäbchen-essen können wir schon eine Weile. 20min nach Essenanfang ist dann aber auch unser Tisch leergeräumt (bis auf uns natürlich).

Die Nachmittagstour ist schließlich der San1 Xia3 Da4 Ba4, zu deutsch häufig als der „Drei-Schluchten Staudamm“ bezeichnet. Wobei wir gelernt haben (von Wikipedia, nicht vom Guide), dass Staudamm eigentlich der falsche Begriff ist, genauer ist das Absperrwerk eine Gewichtsstaumauer! Einfach mal nachlesen 😉
Die drei Schluchten bezeichnet die drei Schluchten, durch die der Jangtsekiang, der auf Chinesisch Chang2 Jian1 heißt, fließt. Früher war dies ein teilweise reißender Fluß, mit der Staumauer ist das ganze um ca. 80m angestiegen.

An Bord hingen im Kreis Zettel aus, über die die Gruppeneinteilung für die Tour bekannt gegeben wurden. Genauer welche Zimmer in welche Gruppe kommen: unsere Zimmernummer – 417, die jede Servicekraft schon auswendig kennt, der wir aufm Schiff begegnen – war groß und fett und in blau dargestellt, die anderen Zimmernummern kleiner und rot. Jaja, auf uns wird einfach gut aufgepasst! Unser Guide wurde uns dann auch direkt persönlich vorgestellt: Ann, die echt gutes Englisch sprach, später dann im Wechsel zwischen Chinesisch und Englisch aber doch ein paar Schwierigkeiten mit dem andauernden Sprachwechsel hatte.
 
Los ging es wiederum mit dem Bus – das Schiff hatte sich bislang noch keinen Deut bewegt (!) – vorbei an der Staumauer und vorbei an den Schleusen. Kurz-Exkurs: es gibt hier die Staumauer selbst, einen Schiff-Lift für Schiffe bis zu 3000t (Dauer: 30min) und eine Schleuse, die aus 5 hintereinander Schleusen besteht (Dauer: insg. 3,5h). Bei der heutigen Tour konnten wir mal so richtig chinesische Reisegruppe spielen. Schon beim Verlassen des Schiffes bekamen wir alle unsere Victoria Cruise Umhänger und später im Bus den Busumhänger (mit unserer Busnummer 512, endlich mal richtiger Massentourismus!).

Nach der 40min Busfahrt, auf der wir kontinuierlich Erzählungen von Ann folgen durften, gab es einen Zwischenstopp: aus dem Bus raus, durch die Security mit dem Gepäck durch, dahinter wieder in den Bus rein, weiterfahren.
Dann hieß es schließlich aussteigen, auf Chinesisch zuhören, auf Englisch zuhören, Chinesisch zuhören, Englisch zuhören. Wir waren noch ein Stück weg vom eigentlichen Stauwerk, bei einem Aussichtspunkt neben den Schleusen. Zunächst schauten wir uns ein Modell der Talsperre an und lauschten dabei dem englischen Guide einer anderen Gruppe. Danach hieß es „so, ihr habt jetzt Freilauf in 20min ist Treffpunkt“. Also rauf auf den Aussichtspunkt, 3x im Kreis drehen und wieder runterrennen. Mannomann, das wär auf Dauer ja nichts für mich, schon garnicht mit dem laveden Fuß. Aber man konnte die Staumauer in der Ferne sehen und direkt in die Schleuse reinschauen. Ganz cool, die Schiffe fahren da drin nur super langsam, ein gemütlicher Spaziergang nebenher ist sicherlich möglich (wenn man da hin käme, wir schauten ja nur von oben hinab).

Von dort ging es schließlich wieder gemeinsam der Fahne hinterher runter zum Parkplatz: dort wartete aber nicht unser Bus auf uns, sondern es gab Minibusse für 10 Yuan extra oder man läuft die Strecke… jaaaa, Fuß und so… Minibus! Wie glaube ich alle anderen auch, nur nicht mit so guten Ausreden 🙂 Damit sind wir vmtl keinen Kilometer zur Staumauer selbst gefahren: man sieht die nur von der oberen Flussseite, wir waren also nicht am Fuß der Mauer, aber trotzdem ganz beeindruckend! Aber auch hier gilt, nicht zu lange aufhalten, die Zeit ist begrenzt, nach 20min haben alle wieder am Bus zu sein!

Zurück am Schiff gibt es dann um 20:30 Uhr dann die Abendshow: eine Kostümshow. Erst chinesische traditionelle Kleidung durch die Zeit, welche Dynastie hatte welche Kleidung mit ein paar Tanzeinlagen, später dann auch Minoritätenkostüme, eine Liebesgeschichte und immer mal wieder Showeinlagen der Jungs. Alle Tänzer und Darsteller: Service-Kräfte des Schiffes! Man muss hier sehr vielseitig sein 😉
Schließlich, die Show ist rum: alles steht auf und geht! Felix und ich unterhalten uns noch kurz und zack, sind wir die letzten Gäste im Raum – mal wieder aufgefallen! Also sicherlich nicht unangenehm, das Bordpersonal hat ja auch öfters pure Ausländergruppen, die kennen das also. Aber wo bei uns viele sitzenbleiben würden, um auch an der Bar noch was zu trinken – hier geht jeder zu sich „nach Hause“.

Am Abend hatten wir übrigens (endlich!) mal abgelegt!!! Darauf hatte ich schon echt gewartet, wir sind ja schließlich auf einem Schiff und keiner Bootsanlegererweiterung!

Unsere erste Kreuzfahrt auf dem Chang2 Jiang1

Day 1

Wollen sie ein Upgrade? Nächste Zimmerkategorie nur 500 Dollar mehr!

Ja, wo gibt es denn sowas? In einem normalen Hotel jedenfalls nicht. Aber wir hatten für die nächsten Tage auch kein normales Hotel gebucht, sondern ein schwimmendes. Unsere erste Kreuzfahrt stand bevor. Jetzt nicht so ein Klassiker wie die Aida oder ähnliches, sondern eine Flusskreuzfahrt auf dem Jangtsekiang von 3-Schluchten Staudamm in Yichang bis zum Schiffbarkeitsende in Chongqing. Unser Schiff: die Victoria Grace, ein im Vergleich zu manch anderen Cruisern vielleicht etwas älteres und kleineres Schiff, aber dafür viel gemütlicher. Die haben knapp 100 Zimmer (jaaa, Kajüten) und davon einige wenige Suiten. Wir hatten normal gebucht aber vielleicht sahen wir ja als Ausländer nach besonders viel Geld aus. Wie das mit unseren Backpackerrucksäcken zusammen passt, weiß ich aber nicht 🙂

Unser Zimmer war auf Deck 4, 2 Betten, kleines Bad, kleiner, schöner Balkon. Vollkommen in Ordnung, wir brauchen keine Suite, für die wir auch noch zu geizig wären. An Bord sind wir am Abend gegangen, nachdem wir unsere Anfahrt zum Bus erfolgreich angepasst hatten.
Eigentlich war für uns geplant gewesen, dass wir an den Ostbahnhof von Yichang müssen, um dort in einen Bus zum Schiff zu steigen. Schlau wie wir waren, hatten wir unser Hotel in Yichang aber bereits in der Nähe des Fährterminals gebucht und wollten jetzt eher nicht durch die ganze Stadt zum Ostbahnhof jetten. David und Jules Chinesischlehrerin, die die Fahrt auch für uns gebucht hatte, hat das aber zum Glück hinbekommen, dass die uns auf die Abfahrtsliste ab dem Fährterminal gesetzt haben. Dort vor Ort fand man dann Ewigkeiten Felix Eintragung überhaupt nicht, aber wer blickt da schon durch. Mit dem Bus wurden wir dann 45min lang aus der Stadt raus in einen Vorort oberhalb des Staudamms gebracht, wo das Schiff lag.

Am Bord war erstmal kein Essen oder Programm mehr für den Tag geplant, es war aber auch schon Abend. Wir hörten die ersten Durchsagen auf dem Schiff: die erste war komplett auf chinesisch, dann kam ein Satz „This announcment is not for non-chinese passengers :-)“, vmtl war es das Schiffsbriefing, dasss wir schon privat von Bobo, dem Riverguide bekommen hatten. Ansonsten sind die Durchsagen allgemein erst auf chinesisch und dann auf englisch, wobei die englische nuuur für uns ist, denn wir sind die einzigen 2 Ausländer an Bord! Ja, wirklich. Es gibt 184 Gäste an Bord und über 100 Servicekräfte – aber darunter eben nur 2 Ausländer: wir!

Zum Onkel Doktor in Yichang

… von netten Krankenschwestern, die sich als Tourguide im Krankenhaus anbieten, Registrierungsgeführen im Krankenhaus, Krankenhausakten nur mit Vornamen und Hotel als Adresse und der kürzesten Wartezeit und Behandlung jemals!

Mehr Details kommen noch nach, drückt mir erstmal die Daumen gegen den Fußpilz (im Fußbett, sowas von gemein) und könnt ja mal grob schätzen, was wir im Krankenhaus bezahlen durften 😉

Wie versprochen, der detaillierte Nachtrag:

In meinem Fußbett hatte sich schon seit einigen Tagen immer wieder ein juckendes, später auch ein schmerzendes rotes Etwas gebildet hatte (genauer bei beiden Füßen, aber der rechte war schon wieder auf dem rechten Weg). Um zu umgehen, dass ich darüber abrollen muss (es war angeschwollen), hatte ich bislang stets versucht seitwärts abzurollen oder nur auf dem Vorderballen zu gehen. Dabei wirken Muskelgruppen mit, die sich bei mir bislang nicht vorgestellt hatten, dies dann aber beeindruckend taten. Da dies so langsam das Laufen ernsthaft beeinträchtigte, entschlossen wir uns unsere frühe Ankunft in Yichang zu nutzen und einen Arzt aufzusuchen.

So direkt zu einem Arzt geht man oft garnicht hier, schon garnicht an einem Sonntag. Also online mithilfe von global doctors und auch einer von China bereitgestellten Seite für Ausländer ein Krankenhaus in Yichang gefunden, dass auch englisch-sprachige Ärzte hat, das Yichang Central People´s Hospital of Hubei (Hubei ist die Provinz). Zum Krankenhaus haben wir uns einfach vom Didi fahren lassen.

Das Krankenhaus selbst besteht aus mehreren Gebäuden (wie bei uns), welches nun das richtige ist… das ist so die Frage. Am größten Gebäude direkt an der Straße stand was von „Schlaganfall Patienten“, „Outpatienten“ und ich glaube „Emergency irgendwas“. Klang nicht so nach dem was wir suchten, also sind wir um das Gebäude herum, die Treppen hoch und zum nächsten Gebäude. Dort gab es eine kleine Rezeption, wo eine Schwester stand. Sie konnte kein Englisch aber es war schnell klar, dass sie wissen wollte, was wir haben. Ich war vorbereitet und hatte die Worte „Fuß“ und „wehtun“ schon nachgeschaut, wie so einige andere potentiell nötige Worte auch. Die Schwester ließ sich den Fuß zeigen und nutzte dann wiederum ihren Translator um uns den Begriff „Dermatology“ zu zeigen. „Dui dui dui“, ja richtig gut, sinma dabei. Erst wollte sie uns den Weg beschreiben, entschließ sich aber kurzerhand uns einfach zu führen. Supernett, wir fühlten uns gleich gut aufgehoben. Der Schwester hinterher und aus dem Gebäude raus, irgendwo zwischen Gebäuden hindurch und in ein anderes rein (wir wir später feststellen sollten, das große Gebäude, dass wir vorhin außer Acht gelassen hatten, nur betraten wir es nun von hinten). Die Schwester übergab uns dort an eine zweite Schwester, die ebenfalls kein Englisch konnte. Diese durchlief mit uns dann den Registrierungsprozess. Irgendwie gab es auf zwei Stockwerken ähnliche Schalter. Am oberen erkundigte sie sich, was wir tun müssen, ging dann mit uns zum unteren Schalter, dort wurde ich angemeldet – natürlich mit Reisepass. Lustig war aber, dass die Dame am Schalter nicht wusste was der Vor- und was der Nachname ist. Die Vokabeln habe ich jetzt nicht gerade nachgeschaut. Wir haben dann auf meinen Nachnamen gezeigt und den als „Jia Mingzi“ Familienname (so hoffentlich übersetzbar) beschrieben. Im Endeffekt landeten aber doch meine beiden Vornamen als vollständiger Name auf der Karteikarte. Vielleicht war ihnen der Nachname aber auch einfach nur zu kompiliziert! Eine Adresse wollten sie noch haben, hier reichte ihnen aber unser gegenwärtiges Hotel. Ich bekam einen Aufkleber mit Barcode (mein Krankenhaus-interner Ausweis) und die Krankenschwester nahm uns wieder mit hoch zur oberen Schalterkette (vermutlich die Kassenschalter). Dort durfte ich meinen neuen Barcode vorzeigen und die Registrierungsgebühr von 5 Yuan zahlen (für die, die es nicht wissen, das ist nichtmal ein Euro!). Alles zusammen hatte keine Viertelstunde gedauert!

Die Schwester begleitete uns schließlich noch zum Dermatologen. Auch hier gab es eine Rezeption, hinter der mehrere Damen diesmal standen. Die Krankenschwester übergab uns an diese. Ich wurde auf die Warteliste mit aufgenommen und gebeten zu warten. Es gab ein großes Display, wo einiges in chinesisch stand, aber das Erscheinen meines neuen nur aus Vornamen bestehenden Namens war dann doch recht eindeutig, es waren alles Patientennamen. Wir saßen keine 5min, da blinkte mein Name. Eine Schwester fing meinen hilflosen Blick „Und nun?“ auf und begleitete mich in das entsprechende Zimmer, das vermutlich angezeigt wurde. Der recht junge Arzt konnte doch einiges Englisch, es reichte für den groben Austausch. Er besah sich meinen Fuß, fragte mich, wie sich die geröteten, juckenden Stellen denn anfühlen („kugelig“) und gab seine Diagnose auf Englisch, die wir nicht verstanden. Aber mein Verdacht lag ja schon vorher auf Fußpilz, also zeigte ich ihm meine dazu vorbereitete chinesische Übersetzung – Tatsache, genau das meinte er. Rückwirkend verstanden wir dann auch seine englische Diagnose: „Fungal disease“. Auf Englisch hatte ich mein medizinisches Vokabular nicht vorbereitet! 🙂 Ich war jedenfalls heilfroh endlich eine ärztliche Diagnose zu haben, wenn man weiß was man hat, kann man es doch deutlich besser behandeln! Sein zweiter Kommentar dämpfte die Freude aber etwas. Er zeigte auf meine Hornhaut am vorderen Fußballen, der sich gerade am schälen war (vom wandern) und meinte, das sei auch alles Fußpilz. Äh, ne. Das ist normal bei mir! Wie auch immer, wir bekamen ein Rezept für eine Salbe (2-mal täglich einschimieren, am besten den ganzen Fuß, das klang sehr kompetent) und waren fertig.

Raus also wieder zum Kassenschalter, die Behandlung und die Medizin bezahlen. Na, gab es schon Vorstellungen von horrenden Beträgen? Ganz im Gegenteil! 20 Yuan sollte ich für beides zusammen bezahlen. Nichtmal drei Euro. Das lohnt sich ja nichtmal bei der Auslandskrankenversicherung einzureichen! Vereinfacht das ganze 😉 Vom Kassenschalter ging es dann ums Eck zum Apotherschalter, das Rezept und den Bezahlbeleg vorgezeigt und schon erhielten wir die entsprechende Salbe. Raus aus dem Krankenhaus (ja, wir verließen tatsächlich das große Gebäude durch den „Outpatient“ Ausgang) und das wars.

So einfach kann Krankenhaus sein!