Auf den Spuren der Roten Khmer

Die Nacht war leider nicht sehr gut, viel gewälzt und lange gebraucht zum einschlafen, der Jetlag lässt grüßen! Heute hatten wir ein frühes Frühstück (es war aber schon sehr warm), da wir ab 8:30 Uhr schon einen Tuktuk Fahrer vom Hotel für einen halben Tag gebucht hatten.



(… es gab hier nur zwei Fahrspuren!)

Los ging es zuerst zum Tuol Sleng Genocide Museum S21, das zur Zeit der Roten Khmer ein geheimes Gefängnis in Phnom Penh war. Zuvor war es eine Schule, aber da Bildung während deren Gewaltherrschaft verboten war, wurden Schulen gerne mal zweckentfremdet. Die Klassenzimmer waren teils Einzel, teils Massenzellen, teils Folterräume. Nach dem Motto „wer verhaftet wird ist auch schuldig“ wurden die Gefangenen solange gefoltert, bis sie eine passendes Geständnis erfunden und besätigt hatten. Daraufhin erfolgte das Todesurteil. Wurde ein Mitglied einer Familie getötet, dann die weiteren Familienmitglieder alle mit, damit niemand später Rache nehmen kann. Von den vermuteten 17000 Insassen in den 4 Jahren des Regimes haben nur wenige hundert überlebt (man liest überall andere Zahlen, vieles ist noch in der Aufarbeitung und ändert sich dadurch vmtl immer mal wieder). In dem Gefängnis wurde viel dokumentiert, es gibt sehr viele Fotos von den neu eingetroffenen Häftlichen, die auch ausgestellt sind. Beim Anrücken der vietnamesischen Armee wurde aber auch vieles vernichtet.

Gegen 11 Uhr ging es  weiter mit dem Tuktuk zu den Killing Fields, ca. 15km südwestlich des Zentrums. Die Fahrt dahin war spannend. Außerhalb der Stadt ist die Fahrweise etwas drängender und weniger kooperativ. Unser Fahrer hat aber stets schön aufgepasst und ist um die tieferen Schlaglöcher und natürliche Speedbumps herumgefahren. Wir haben zudem 4 Kinder auf einem Moped fahren sehen, in einem Alter, dass nichtmal eins von denen in Deutschland hätte Moped fahren dürfen!

Die Killing Fields sind ein alter chinesischer Friedhof, auf dem die Gefangenen verschiedener Gefängnisse (vorallem S21) getötet wurden. Hier haben wir einen Rundweg mit Audioguide genommen. Man sieht viele Senken, die fröher 5m tiefe Löcher waren, in die die Toten geschmissen wurden, nachdem sie am Rande der Grube mit allem was zur Hand war getötet wurden. Hauptsächlich mit verschiedenen Werkzeugen erschlagen, um Munition zu sparen, während Musik lief, um die Schreie zu übertönen.


Einige Gräber wurden später ausgehoben und 9000 Schädel und weitere Knochen zum Gedenken und zur letzten Ruhe in einem Schrein gestapelt. Nicht alle Gräber wurde exhumiert, einige liegen auch unter einem See. Krass: Durch den Regen werden immer wieder Kleidungssstücke und Knochenteile n die Oberfläche gebracht. Das sagte der Audioguide und ja, man sieht so einige! Nochmals bedrückender, das als Beweis zu sehen.


Nach dieser Tour haben wir uns von unserem Tuktuk Fahrer zu einem Restaurant seiner Empfehlung  in der Nähe unseres Hotels bringen lassen (wir wollten mal schauen, wo er uns dann hinbringt). Er bringt dort wohl immer die Leute hin, 20min nach uns brachte er die nächsten 🙂 War in dem Punkt ganz nett, dass es direkt am Flußufer war, allerdings war dazwischen auch eine viel befahrere Straße. Somit konnten wir beim essen spaßige Fahrmanöver beobachten (da wird einem nie langweilig!) und uns von den lauernden Tuktuk Fahrern beim essen zuschauen lassen. Wie so oft war das Angkor Bier das günstigste!


Ob vom Bier oder doch ein leichter Sonnenstich, mein Kopf war danach nicht mehr auf der Höhe… zurück im Hotel gab es daher ein Mittagsschläfchen für mich. Und ganz stressfrei haben wir uns danach an den Hotel-Pool gelegt, um die Inselplanung für Ende des Monats in Angriff zu nehmen.

Schließlich sind wir aber doch noch zu einem späten Abendessen aufgebrochen (21 Uhr). Dazu muss man auch bedenken, dass es in Kambodscha schon ab 18 / 18:30 Uhr dunkel wird. Also im Dunkeln einfach ein paar Straßen weiter gestromert. Da gab es einen netten Laden, ganz typisches Restaurant mit kleinen Tischen und Plastikstühlchen und das Restaurant ragt von der Auffahrt bis in den Garagen-artigen Laden hinein. Insgesamt viel Müll auf dem Boden und es gingen so einige kleine, dünne Katzen umher.


Die Besitzerfamilie des Ladens saß zum Großteil ebenfalls draußen an einigen Tische und bereitete Essen (vmtl für morgen) vor: Gemüsespieße aufstechen, Fisch pökeln – und alle machen mit! Wir hatten fried mushrooms und chicken wings bestellt. Wie wir dann anfingen zu essen zeigte irgendwann die „Big Mama“ der Familie (evtl die Großmutter, gaz sicher die Chefin im Ring) groß auf uns, gestikulierte wild und sprach irgendwas auf Khmer zu ihrer Familie. Erstmal passierte nichts (ich vermute die Youngsters der Familie, die Englisch sprechen können hatten keine Lust sich mit uns zu beschäftigen). Dann kam aber ein älterer Mann zu uns, wies uns an unser Essen erstmal liegen zu lassen und schnappte sich dann die kleinen Schälchen, die uns hingestellt worden waren, die wir aber bislang ignoriert hatten. Er rearrangierte unseren Tisch, nahm dann von den bereitstehenden Soßen und Gewürzen verschiedene Mengen und mischte uns eine Soße: Chili-Knoblauch Soße + viel Pfeffer + Zucker + 1/2 Limette. Dann zeigte er mir, wie ich die Wings damit bestreiche und schließlich durfte ich auch essen! Er schaut aber mind. noch 10min zu, ob wir auch alles richtig machen 😀
Sehr cool und superleckere Soße! Zu trinken hatte ich mal ein mir unbekanntes Getränke ausprobiert (mal was neues…): Sting, laut Aufschrift ein „Berry-Energy Getränk“. Kommt in einer warmen Dose an den Tisch, dazu bekommt man aber einen Becher voller Eis mit Strohhalm. Sehr süßes Getränk… genau mein Fall 🙂
Das ganze Essen plus Getränke übrigens für 4 USD!



Auf halbem Rückweg erlebten wir dann die Downside von PP. Am Rand saß ein Mädel (Ausländerin, unser Alter) mit üblen Schürfwunden an Schulter, Arm, Bein und Fuß. Ein vorbeifahrendes Moped hatte versucht ihr die Handtasche zu klauen (wird man in allen Reiseführern vor gewarnt). Sie hatte die Handtasche aber festgehalten und wurde somit wohl ein kurzes Stück mitgeschleift – woppa! Es kümmerten sich bereits einige Locals um sie und ihr Hotel war auch nicht weit weg, von daher sind wir weiter. Aber… woppa! Abends muss man wohl nochmal extra aufpassen!

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