Karstkegel von Xingping

Yangshuo ist touristisch sehr bekannt für seine Karstkegel. Somit sind wir also nach Yangshuo gefahren. Eigentlich. Der Bahnhof von Yangshuo ist noch ziemlich neu und liegt aber nicht gerade direkt neben oder in Yangshuo, sondern einiges außerhalb. Näher dran ist der Ort Xingping und in diesem hatten wir in der Hoffnung auf etwas weniger (chinesische) Touris auch unser Hostel gebucht. Der Plan ging in soweit auf, als dass tagsüber zwar viele chineische Reisegruppen den Ort bevölkerten, abends dann aber solch eine Ruhe einkehrte, dass man auf der Jagd nach einem Abendessen aussuchen konnte, in welchem Restaurant man exklusiv essen will.

Xingping hat hauptsächlich zwei längere, parallele Straßen und ist an der Flußmündung von einem in einen anderen Fluss gebaut. Die eine Straße ist die für Touris hergerichtete (wiederhergerichtete?) alte Straße. Die Straße ist gepflastert und die Gebäude haben nach vorne hin die charakteristischen aus 4 Rechtecken bestehenden Türen, die oftmals (aber nicht immer) mit tollen Schnitzerein verziert sind. Der erste Teil der Straße vom Busbahnhof aus scheint eher aus Wohnhäusern zu bestehen, der zweite Teil besteht aus Restaurants, die auch englische Karten mit Bildern anbieten und einigen Souvenirgeschäften. 



Die andere Straße ist die Hauptverkehrsstraße. Sie ist deutlich breiter, mit Autos befahrbar und wäre im Normalzustand vermutlich als asphaltiert zu beschreiben, sie wird im Moment aber grunderneuert und ist somit einiges holterdiepolter, besteht aus zig Baustellen. Hier sind ebenfalls Restaurants zu finden, diese sind aber gefühlt mehr auch für Einheimische angelegt. Manchmal bekamen wir nur eine chinesische Karte gezeigt, an einem Tag, an dem ich gerade einige Tiernamen neu-/wiedererlernt hatte – sehr praktisch.



Egal in welcher Straße, in den Restaurants bekommt man abends doch viel von der Familie, die den Betrieb führt mit. Im hinteren Bereich oder auch mal direkt am Nachbartisch saßen die Kinder an Hausaufgaben, am Fernseher oder am Computer oder rannten durch das ganze Restaurant, weil sie gerade nicht zu Abend essen wollten 🙂 Der Fernseher wird übrigens nicht heruntergedreht, bloß weil Gäste da sind. Es ist hier ganz normal, dass das Familienleben einfach weiterläuft, man ergänzt einfach das bestehende Bild, wird integriert und kann viel beobachten und miterleben, wie es in chinesischen Familien so abläuft. 






Aber weswegen wir nach Xingping gekommen sind: die unglaubliche Landschaft! Xingping liegt inmitten von ca. 300m hohen Karstkegeln. Also Berge in Kegel- oder für die Mathematiker umgedrehter Parabelform. Und die meisten stehen für sich alleine oder haben mal einen etwas tiefer gelegene Verbindung zu einem Nachbarkegel. Zudem sind sie in der Regel komplett bewachsen und ziemlich steil. Aus unserem Fenster rausschauend blickt man quasi auf eine Wand an Wald.



Am ersten Abend haben wir auf dem Rooftop unseres Hostels einige andere Ausländer aus den Niederlanden, England und Kanada kennengelernt und uns von denen einige Tips geben lassen. Also sind wir einen Tag auf unseren „Hausberg“ hochgestiegen. Hier gibt es durchgängig Treppenstufen, die angelegt wurden, damit auch Hinz und Kunz da hochklettern können. Ein wenig Kletterei ist es dann nämlich doch, kurz vorm Ende ist nach Durchqueren eines Burgtores (gibt aber keine Burg) auch eine Leiter zu erklimmen. Ganz unten am Einstieg zu der Strecke wurde man übrigens ausführlichst davor gewarnt, diesen Weg zu nutzen, er sei ziemlich gefährlich etc. Vermutlich dient das Schild hauptsächlich dazu, die Verantwortung für Unfälle auf den Wanderer abzuwälzen. Am unteren Teil des Weges sind einige Gräber/Schreine (?) links und rechts im Wald platziert. Diese sind wie etwas größere Brunnen aus Pflastersteinen aufgebaut, nach oben hin aber befüllt und manchmal auch eine Gedenktafel vorne eingebaut. Je nach Besuchhäufigkeit sind sie dann mit roten Bändern und Plastikblumen besteckt und es liegt abgefeuertes Feuerwerk herum. Wann immer man also Knallerei von den Bergen wiederhallen hörte, wusste man, dass irgendwo wieder ein  Batteriefeuerwerk entzündet wurde.

Oben angekommen bot sich ein unglaublicher Ausblick. Obwohl es an dem Tag etwas diesig war, konnte man doch recht weit viele der umliegenden Karstkegel sehen und zudem direkt nach unten in auf die Flussschleife des größeren Flusses schauen. Da dieser zur Zeit etwas Hochwasser führt, ist auch etwas mehr Druck als üblich im Fluss. Diese Wasserbewegungen kann man von oben ganz toll sehen. Ganz witzig, mithilfe unserer Kajakerfahrung wussten wir dann auch genau was für komische Bewegungen die Fähren und Touristenschiffe da unten so ausführten. Die Briten meinten eines Abends nämlich, die Boote würden total komisch fahren – wir wussten es besser: einschlingen, ausschlingen und traversieren, ganz einfach 🙂






Am Nachmittag sind wir dann auch mal live mit der Fähre über den großen Fluss traversiert (man kommt nur mit Boot über den Fluss). Leider gab es einiges an Missverständnis mit den Fährebetreibern. Die Preise für Touristen sind dort allgemein auch wieder höher als für Einheimische (Touristen 2 Yuan, Einheimische 1 Yuan). Die Fährleute verändern ihre Preise für Touris aber mit dem Wasserstand! Man wollte 5 Yuan von uns haben, je Nase. Das wollten wir nicht einsehen, wir hielten und halten das immernohc für Abzocke. Manchmal muss man ja einfach gegenhalten und dann bekommt man den Ursprungspreis, wenn dem Gegenüber klar wird, dass man sich informiert hat und Bescheid weiß. Ein kurzer Anruf im Hostel bestätigte uns aber nur „mit den Fährleuten kann man nicht verhandeln!“. Also in den sauren Apfel beißen… ein Einheimischer an Bord meinte auch nur „Wir können es uns ja leisten“. Stimmt ja auch, ist ja nichtmal ein Euro. Aber da geht es eher ums Prinzip. Während Felix noch weiter diskutierte und mit dem Hostel telefonierte setzte sich eine andere Frau direkt neben mich und bot mir Mini-Orangen an. Ich dachte sie will sie mir verkaufen und lehnte erstmal ab. Sie ließ sich aber nicht abweisen, drückte sie mir in die Hand und zeigte mir wie ich sie pelle und esse. Sie wollte auch garkein Geld dafür, im Gegenteil, sie wollte mir noch mehr geben. Als ich ihr zeigte, dass meine Hand bereits voll ist, fing sie an mir weitere in die Hosentaschen zu stopfen, voll lieb! 😀



Der andere Tag hat uns bereits am Morgen mit einiges an Regen begrüßt. Wir haben es also etwas gemütlicher angehen lassen, schließlich aber doch an unserem ursprünglichen Plan festgehalten, Fahrräder zu mieten und über die Brücke zur anderen Flussseite des kleinen Flusses zu fahren. Das Wetter wechselte beständig, mal fast nichts, mal leichter Niesel, mal unterstellwürdige Abschnitte. Naja, extra kurze Hosen angezogen (weniger Stoff, der nass werden kann), Sandalen bzw. Flipflops und die in Deutschland gerade erst neu gekauften Regenjacken – darüber war ich dann ganz froh, meine alte hätte das nicht so lange durchgehalten! Die Wege waren dort drüben richtige Straßen, nur wenn wir mal in ein kleines Dorf rein abgebogen sind, gab es eher kleine Windungen/Wege, war aber ungleich spannender! Insgesamt wurde auch hier viel gebaut. Unsere Vermutung dazu ist, dass die Einheimischen hier so langsam zu mehr Geld kommen und es sich auch leisten können, sich mal ne große Hütte für die ganze Familie hinzustellen. Also auch keine Hütte, sondern ein mehrstöckiges Haus aus Beton. Fazit vom Fahrradtrip: Pfützen-fahren ist immernoch so toll, wie es als Kind war, zwischen den Karstkegeln hindurch zu fahren ist toll, Dorfleben direkter zu sehen spannend, wenn auch nass, das Bild mit den Karstkegeln und dem Komoran-Fischer, dass auf dem 20 Yuan Schein abgebildet ist wurde nicht bei diesem Wetter gemacht! 😀



Achja, und eine Dusche, die richtig warm wird, wäre echt toll gewesen…

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