Tian Tou Zhai – Wulingyuan in 26h

Heute war Reisetag! Also eigentlich nicht nur heute, die längste Reiseverbindung bislang. Morgens hieß es in Tian Tou Zhai Village Abschied nehmen von Hund-Katze-Maus (leider haben wir Heihei nicht mehr tschüss sagen können, da er bereits beim Tierarzt in Guiling war, wegen irgendwelcher Impfungen). Bei einem anderen Hostel hatten wir vortags westliches Frühstück entdeckt und gleich vorbestellt, somit gab es zum ersten Mal seit Tagen wieder westliches Essen: für Felix ein riesiger Pfannekuchen, für mich French Tosh (hier war er richtig geschrieben, aber seit Kambodscha ist es nunmal French Tosh für mich).

Dann folgte der Abstieg nach Dazhai (runter etwas mehr als eine halbe Stunde) – wir hatten uns diesmal die kleinen Rucksäcke oben in den großen Rucksack reingequetscht (bei mir gequetscht, da mein Zug nunmal das DIN A4 Format nicht unterschreiten kann, bei Felix wunderbar reingefaltet). Dann ging es weiter mit dem Bus, den wir im Hostel bereits vorreserviert hatten. Ähnlich wie beim Didi erhält man daraufhin die Kennzeichennummer des Buses. Am Bus selber steht eigentlich nie, wo er hinfährt.

Mit dem Bus ging es also wieder nach Guilin. Dort suchten wiru ns vor der Weiterfahrt in Bahnhofsnähe noch ein Mittagessen. Eine der Kellnerinnen konnte etwas Englisch und war total begeistert mit uns in einem Chinesch-Englisch Gemisch zu reden. Sie hatte einmal bereits eine Reise nach Paris gemacht erzählte sie. Gemeint hat sie: sie hat schon eine Europatournee gemacht, nur in Paris gestartet. 10 Tage, 5 Länder, darunter auch Deutschland, wobei sie hier nur Frankfurt am Main angeschaut haben. Immerhin, konnten wir ihr somit leicht vermitteln, wo wir herkommen 🙂 Schließlich zeigte sie uns noch ein kleines Milchpäckchen Oldenburger Milch und wollte von uns wissen, ob das echt sei. Anscheinend sind gefälschte Produkte nicht unüblich und sie wollte wissen, ob das wirklich aus Deutschland sei und ob die Marke bekannt sei. Wir kannten sie zumindest nicht, sie ist wohl aus der Gegend um Bremen – wir haben ihr zuliebe aber gesagt, dass es vermutlich echt sei 🙂

Der nächste Hochsicherheitsbahnhof wartete auf uns. Nachdem das Gepäck wie üblich seinen eigenen Sicherheitscheck durchlief, durften wir wieder durch das Büpper-Gate treten und egal ob es gebüppt hat oder nicht – es musste eh jeder nochmal zu der Dame mit dem Büpper-Handgerät. Ich mache mir inzwischen also nicht mehr die Mühe alles Metal aus meinen Hosentaschen zu entfernen (Handy, Geldstücke), es macht keinen Unterschied!

Mit der Bahn sind wir nicht allzu lange, nur bis Liuzhou gefahren. Dieser Ort ist auch denjenigen, die Chinas Süden kennen wohl weniger ein Begriff, denn er hat wenig touristisches zu bieten. Daher kommen hier auch eher keine Ausländer herAber: hier gibt es sowohl einen Bahnhof an dem die Schnellzüge halten, mit denen wir bisher stets durch die Gegend gefahren sind und es gibt einen Bahnhof an dem der auf normaler Strecke fahrende Nachtzug startet, der unser nächstes Reisemittel darstellen sollte.

Wir waren aber noch etwas früh dran für den Zug also liefen wir erstmal etwas spazieren entlang vieler Geschäfte – voll bepackt natürlich. Großer Rucksack hinten, kleiner Rucksack vorne. Die Gegend war gut belebt und so konnten wir Moped-Tennis beobachten. Wie das geht? Ein Moped kommt uns auf der Straße entgegen, sieht die Ausländer mit Riesengepäck und der ungläubige, staunende Blick bleibt schließlich auf uns geheftet, während das Moped weiterfährt. Wie Zuschauer, die bei einem Tennisturnier auf Netzhöhe sitzen und stehts den Ball mit dem Kopf verfolgen. 😀
An einer Stelle war vor einem Geschäft eine ungewöhnlich lange Schlange. Wir blieben also auch mal stehen und gafften was das Zeug hielt – was Chinesen können, können wir auch! Hier wurden Enten in einem großen Dampfdrucktopf gegart/gekocht. Einen Moment hingen noch zwei Entenköpfe aus dem offenen Topf raus, im nächsten Moment war der Deckel zu und die Schrauben wurden angezogen. Die scheinen sehr beliebt zu sein. Dort stehend schlich ein Schulmädchen um uns herum, machte erst heimlich Fotos von hinten und dann recht offensichtlich / heimlich von vorne. Auf mein „Ni hao“ kam von ihr ein kurzes „Hello“ und dann ein verschmitztes verstecken ihres Gesichtes hinter ihren Händen. Weggelaufen ist sie aber nicht. Wohl eher über Handy ihrer Freundesriege mitgeteilt, was eben passiert ist. Aufregung pur!

Ein Stück weiter haben wir eine kleine Bäckerei entdeckt, echt viel Auswahl und echt leckere Sachen dabei. War ja klar, dass kurze Zeit später ein gewisses Schulmädchen auch Interesse an den Leckereien hatte 🙂 Wir haben uns ein paar Teilchen geholt und im „Cafe“ Bereich hingesetzt. Dort saßen auch weitere Schüler und haben Mathe bzw. Physik Aufgaben gelöst. Mein erster Gedanke war, da könnten die Aufgaben ja total ähnlich zu unseren aussehen und auch für nicht-Chinesen verständlich sein. Aber ne, zu Schulzeiten hat man ja noch viele Textaufgaben.

Ich war jedenfalls mal so frei, einfach über den Tisch zu greifen und ein Foto davon zu machen. Ganz ohne schlechtes Gewissen und Berührungsängste – ich lerne hier dazu 😀

Von dort aus ging es dann per Didi (natürlich mal wieder ein weißes Auto – wie so oft) zu dem besagten Nachtzugbahnhof. Der ist doch etwas weiter außerhalb, was heißt, dass er noch in der Stadt ist, wir aber doch ein ganz schönes Stück fahren mussten. Wie mir immer mehr auffiel. Nur selten haben die Straßenkreuzungen Ampeln. Eine zweispurige 4er Kreuzung rechtfertigt noch lange keine Ampel! Man fährt halt zu, spricht sich ab oder hupt sich schlicht seinen Weg durch. Für mich irgendwie unvorstellbar, hier gang und gebe. In Kambodscha sind die Autos mehr vorausschauend und mit Rücksichtnahme gefahren, das ist hier leider weniger der Fall. Vorausschauend ja, aber nur um die anderen rechtzeitig aus dem Weg zu hupen und möglichst selber durchzukommen.

Der Nachtzug ging erst kurz vor 21 Uhr, es war also immernoch viel Zeit. Erstmal Abendessen bei einem der Minirestaurants nahe bei. Man überschlug sich fast vor Freude, uns in ihrem Restaurant zu haben. Leider wenig Bilder in der Karte, aber mit den paar Brocken chinesisch und der Google Translate App konnten wir schließlich was bestellen. Getränke musste man sich am Kiosk nebenan holen. Was haben die gestaunt, als wir uns aus Bier und Sprite dann ein Radler mischten. Dass Ausländer immer Bier trinken ist so ein gängiger Glaube. Aber dieses Gemisch…

Ein bischen wollten wir uns dann noch bewegen und sind zwei Straßen weiter gelaufen. Da war ein Kindergarten mit einem riesigen Hof davor. Da Sonntag war, war der zu aber die Fläche davor (teilweise ausgelegt mit polsternden Plastikmatten) war voll mit Familien, die mit ihren Kindern spielten. Mal nur rennen und fangen spielen, mal Fahrrad mit Stützrädern fahren lernen (das so schlecht eingestellt war, dass das Mädel mit dem Füßen eigentlich immer abgerutscht ist). Ein Vater kam dann auf uns zu und fand es wahnsinnig spannend sich mit uns zu unterhalten. Sein kleiner Sohn übersetzte noch den ersten Satz (Nimen shi na guo? – Woher seid ihr?), als er aber merkte dass wir das auch auf chinesisch verstanden, verzog er sich lieber schnell, das war ihm zu peinlich. Später kam dann noch seine Mutter dazu und wir mussten natürlich noch Fotos von uns machen. Das konnte ich auch!

Der Nachtzug kam, sah und siegte! Wir hatten soft-sleeper Plätze (also erste Klasse) in einem 4er Abteil. Waren aber erstmal nur wir zwei. Die Schaffnerin kam, nahm uns unsere Tickets weg und gab uns dafür feste Platzkarten (vorm Ausstieg tauscht man die dann wieder um). Das erste Stück Weg haben wir noch  rausgeschaut: es ist faszinierend, wenn man mal nicht in durchweg beleuchteten Gegenden ist. Viele einzelne Häuser und selbst Dörfer unterwegs, kaum beleuchtet, hin und wieder ein Haus, das mit einer einzelnen Glühbirne komplett von innen zu erstrahlen scheint. Und dann ein blendender Lichtstrahl der die Finsternis durchschneidet – wenn ein Auto vorbeifährt.

Insgesamt waren wir 11h unterwegs, leider war es im oberen Bett ein heiß-kalt Wechsel: war die Klimaanlage an der Decke an, musste man sich unter die dicke Decke verkriechen. War sie wenige Minuten später wieder aus, war unter der Decke Saune pur, also alles was geht wieder rausstrecken… bis die Klimaanlage wieder anging…

Kurz nach Mitternacht stiegen unsere zwei fehlenden Zimmergenossen ein, ich habe das aber mal ignoriert und mich auf mein Temperatur-Wechselbad konzentriert. Am Morgen erst stellte ich dann fest, dass es ebenso zwei Laoweis waren, aus Kanada. Sie waren für 2 Wochen Urlaub in China. Fast schon auf chinesische Art 🙂

Angekommen in Zhangjiajie nahmen wir wiederum einen Bus nach Wulingyuan, mal eine kurze Reise von nur 1h. Durch die Pseudosicherheitskontrollen hindurch, irgendwie  den Bus gefunden und ohne Ticketkauf eingestiegen. Unterwegs hielt dann der Bus mitten auf der Straße und eine Frau stieg ein, der wir das Geld für den Bus bezahlten. Später hielten wir für eine andere Frau, die einstieg, zählte wieviele wieviele im Bus saßen und das schriftlich festhielt. Keine 50m später hielt der Bus an der Straße und ein alter Mann mit Enkel stiegen ein 🙂 Soviel zur Dokumentation.

Unser Hostel in Wulingyuan war zum Glück sehr nah am Busbahnhof und wir fanden es auch recht schnell.

Geschafft, am Ziel!

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