Zum Onkel Doktor in Yichang

… von netten Krankenschwestern, die sich als Tourguide im Krankenhaus anbieten, Registrierungsgeführen im Krankenhaus, Krankenhausakten nur mit Vornamen und Hotel als Adresse und der kürzesten Wartezeit und Behandlung jemals!

Mehr Details kommen noch nach, drückt mir erstmal die Daumen gegen den Fußpilz (im Fußbett, sowas von gemein) und könnt ja mal grob schätzen, was wir im Krankenhaus bezahlen durften 😉

Wie versprochen, der detaillierte Nachtrag:

In meinem Fußbett hatte sich schon seit einigen Tagen immer wieder ein juckendes, später auch ein schmerzendes rotes Etwas gebildet hatte (genauer bei beiden Füßen, aber der rechte war schon wieder auf dem rechten Weg). Um zu umgehen, dass ich darüber abrollen muss (es war angeschwollen), hatte ich bislang stets versucht seitwärts abzurollen oder nur auf dem Vorderballen zu gehen. Dabei wirken Muskelgruppen mit, die sich bei mir bislang nicht vorgestellt hatten, dies dann aber beeindruckend taten. Da dies so langsam das Laufen ernsthaft beeinträchtigte, entschlossen wir uns unsere frühe Ankunft in Yichang zu nutzen und einen Arzt aufzusuchen.

So direkt zu einem Arzt geht man oft garnicht hier, schon garnicht an einem Sonntag. Also online mithilfe von global doctors und auch einer von China bereitgestellten Seite für Ausländer ein Krankenhaus in Yichang gefunden, dass auch englisch-sprachige Ärzte hat, das Yichang Central People´s Hospital of Hubei (Hubei ist die Provinz). Zum Krankenhaus haben wir uns einfach vom Didi fahren lassen.

Das Krankenhaus selbst besteht aus mehreren Gebäuden (wie bei uns), welches nun das richtige ist… das ist so die Frage. Am größten Gebäude direkt an der Straße stand was von „Schlaganfall Patienten“, „Outpatienten“ und ich glaube „Emergency irgendwas“. Klang nicht so nach dem was wir suchten, also sind wir um das Gebäude herum, die Treppen hoch und zum nächsten Gebäude. Dort gab es eine kleine Rezeption, wo eine Schwester stand. Sie konnte kein Englisch aber es war schnell klar, dass sie wissen wollte, was wir haben. Ich war vorbereitet und hatte die Worte „Fuß“ und „wehtun“ schon nachgeschaut, wie so einige andere potentiell nötige Worte auch. Die Schwester ließ sich den Fuß zeigen und nutzte dann wiederum ihren Translator um uns den Begriff „Dermatology“ zu zeigen. „Dui dui dui“, ja richtig gut, sinma dabei. Erst wollte sie uns den Weg beschreiben, entschließ sich aber kurzerhand uns einfach zu führen. Supernett, wir fühlten uns gleich gut aufgehoben. Der Schwester hinterher und aus dem Gebäude raus, irgendwo zwischen Gebäuden hindurch und in ein anderes rein (wir wir später feststellen sollten, das große Gebäude, dass wir vorhin außer Acht gelassen hatten, nur betraten wir es nun von hinten). Die Schwester übergab uns dort an eine zweite Schwester, die ebenfalls kein Englisch konnte. Diese durchlief mit uns dann den Registrierungsprozess. Irgendwie gab es auf zwei Stockwerken ähnliche Schalter. Am oberen erkundigte sie sich, was wir tun müssen, ging dann mit uns zum unteren Schalter, dort wurde ich angemeldet – natürlich mit Reisepass. Lustig war aber, dass die Dame am Schalter nicht wusste was der Vor- und was der Nachname ist. Die Vokabeln habe ich jetzt nicht gerade nachgeschaut. Wir haben dann auf meinen Nachnamen gezeigt und den als „Jia Mingzi“ Familienname (so hoffentlich übersetzbar) beschrieben. Im Endeffekt landeten aber doch meine beiden Vornamen als vollständiger Name auf der Karteikarte. Vielleicht war ihnen der Nachname aber auch einfach nur zu kompiliziert! Eine Adresse wollten sie noch haben, hier reichte ihnen aber unser gegenwärtiges Hotel. Ich bekam einen Aufkleber mit Barcode (mein Krankenhaus-interner Ausweis) und die Krankenschwester nahm uns wieder mit hoch zur oberen Schalterkette (vermutlich die Kassenschalter). Dort durfte ich meinen neuen Barcode vorzeigen und die Registrierungsgebühr von 5 Yuan zahlen (für die, die es nicht wissen, das ist nichtmal ein Euro!). Alles zusammen hatte keine Viertelstunde gedauert!

Die Schwester begleitete uns schließlich noch zum Dermatologen. Auch hier gab es eine Rezeption, hinter der mehrere Damen diesmal standen. Die Krankenschwester übergab uns an diese. Ich wurde auf die Warteliste mit aufgenommen und gebeten zu warten. Es gab ein großes Display, wo einiges in chinesisch stand, aber das Erscheinen meines neuen nur aus Vornamen bestehenden Namens war dann doch recht eindeutig, es waren alles Patientennamen. Wir saßen keine 5min, da blinkte mein Name. Eine Schwester fing meinen hilflosen Blick „Und nun?“ auf und begleitete mich in das entsprechende Zimmer, das vermutlich angezeigt wurde. Der recht junge Arzt konnte doch einiges Englisch, es reichte für den groben Austausch. Er besah sich meinen Fuß, fragte mich, wie sich die geröteten, juckenden Stellen denn anfühlen („kugelig“) und gab seine Diagnose auf Englisch, die wir nicht verstanden. Aber mein Verdacht lag ja schon vorher auf Fußpilz, also zeigte ich ihm meine dazu vorbereitete chinesische Übersetzung – Tatsache, genau das meinte er. Rückwirkend verstanden wir dann auch seine englische Diagnose: „Fungal disease“. Auf Englisch hatte ich mein medizinisches Vokabular nicht vorbereitet! 🙂 Ich war jedenfalls heilfroh endlich eine ärztliche Diagnose zu haben, wenn man weiß was man hat, kann man es doch deutlich besser behandeln! Sein zweiter Kommentar dämpfte die Freude aber etwas. Er zeigte auf meine Hornhaut am vorderen Fußballen, der sich gerade am schälen war (vom wandern) und meinte, das sei auch alles Fußpilz. Äh, ne. Das ist normal bei mir! Wie auch immer, wir bekamen ein Rezept für eine Salbe (2-mal täglich einschimieren, am besten den ganzen Fuß, das klang sehr kompetent) und waren fertig.

Raus also wieder zum Kassenschalter, die Behandlung und die Medizin bezahlen. Na, gab es schon Vorstellungen von horrenden Beträgen? Ganz im Gegenteil! 20 Yuan sollte ich für beides zusammen bezahlen. Nichtmal drei Euro. Das lohnt sich ja nichtmal bei der Auslandskrankenversicherung einzureichen! Vereinfacht das ganze 😉 Vom Kassenschalter ging es dann ums Eck zum Apotherschalter, das Rezept und den Bezahlbeleg vorgezeigt und schon erhielten wir die entsprechende Salbe. Raus aus dem Krankenhaus (ja, wir verließen tatsächlich das große Gebäude durch den „Outpatient“ Ausgang) und das wars.

So einfach kann Krankenhaus sein!

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